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Bauchgefühl: Ein Kreativworkshop für die Potsdamer Kaiserschnittmütter

Im November hatte ich die wunderbare Gelegenheit einen Kreativworkshop zum Thema Kaiserschnitt zu leiten, und ich muss sagen, es war eine wirklich intensive und bereichernde Erfahrung. Eingeladen wurde ich von der Potsdamer Selbsthilfegruppe "Verflixt und Zugenäht" in der sich Frauen austauschen können, die einen Kaiserschnitt erlebt haben. Die Gruppe lädt regelmäßig Expert*innen ein, um medizinisches Hintergrundwissen zu vermitteln oder verschiedene Zugangsweisen zu dem Thema zu ermöglichen.


Mein Workshop hatte zum Ziel, die emotionalen Nachwirkungen der Kaiserschnitterfahrung durch kreatives Gestalten zu erforschen und zu reflektieren. Also machte ich mich an einem Donnerstagabend bei Eis und Schnee mit meinem Fahrrad auf zum Selbsthilfezentrum Sekiz e.V., im Gepäck 10 kg Ton, Papier in verschiedenen Formaten und eine Auswahl an Pastell- und Ölkreiden, Pinseln und Filzstiften.



Der Workshop begann mit einer Vorstellungsrunde in der ich die Teilnehmerinnen bat, ihren Umgang mit dem Thema Kaiserschnitt anhand eines Bildes zu erläutern. Dafür stellte ich eine Sammlung von etwa 450 Kunstpostkarten zu Verfügung. Die Bilder welche die Frauen sich ausgesucht hatten, zeigten düstere Landschaften, tragische Märchenfiguren, aber auch findige Hexen. Die Frauen erzählten von Sprachlosigkeit, Verzweiflung, Ohnmacht, Isolation, Enttäuschung und tiefer Trauer - Gefühle die immernoch präsent waren obwohl der Kaiserschnitt Monate bis Jahre zurücklag.


In der anschließenden gestalterischen Arbeit konnten die Frauen diesen vielschichtigen, tiefsitzenden Gefühlen eine Form und ein symbolisches Zuhause geben. Für diese Übung wechselten wir zwischen drei verschiedenen Medien und Techniken, um einen Reflektionsprozess in Gang zu setzen: Ton, Malerei und das geschriebene Wort.


Wir begannen mit Ton. Die Teilnehmerinnen bearbeiteten einen ca. 1kg schweren Tonblock mit geschlossenen Augen solange bis sich eine für sie zufriedenstellende Form ergab. Erst dann durften sie die Augen wieder öffnen. Im zweiten Teil der Übung bat ich sie ein Zuhause für ihre Figur zu malen. Ich stellte dafür A3 Papier und Kreiden zur Verfügung. Abschließend wurde ein kleines Gedicht über die Figur oder im Namen der Figur geschrieben.


Als alle Übungen abgeschlossen waren, tauschten die Teilnehmerinnen ihre Gedanken und Gefühle zum Erlebten aus und reflektierten mithilfe der Figuren, wo sie mit der Verarbeitung ihres Geburtserlebnisses gerade standen. Die Antworten waren so unterschiedlich wie die Figuren, die sie geformt hatten aber es war deutlich, dass die Erlebnisse von damals immernoch Wellen in ihrem Leben schlugen. Die Figuren, Bilder und Gedichte schienen ihnen zu helfen, diese Wellen zu erkennen und greifbarer zu machen.



Der Workshop war auch for mich eine berührende und inspirierende Erfahrung, die mir geholfen hat, die Komplexität und Vielfalt von Geburtserfahrungen besser zu verstehen. Ich bin dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, diesen Workshop zu leiten und freue mich auf eine Wiederholung im kommenden Jahr. Wenn auch du Interesse hast, einen solchen Workshop zu organisieren, zögere nicht, dich mit mir in Verbindung zu setzen.

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